Und dann kam Drogba

Wessen Internetanschluss nicht gerade in einer Höhle steht, der kennt den neuesten Trend im Netz: An alles erinnern, und zwar auf den Tag genau: Heute vor x Jahren passierte y.

Erinnern an den Mauerfall, erinnern an große Fußballspiele, erinnern an den Tag, an dem irgendein Radiomoderator mit seiner Gerhard-Schröder-Single die Charts eroberte. Inzwischen wird das Ganze oft ja noch dadurch aufgepimpt, dass man Vergangenes per Twitter so darstellt, als würde es gerade – genau jetzt – nochmal passieren. Das birgt an sich ja durchaus Unterhaltungspotenzial, fällt aber meistens eher trostlos aus: „Soundsovielte Minute, Khedira macht das 5:0, was ist denn hier los?“ Nicht viel!

Wo waren wir? Ach ja, noch nirgends.

Ich sollte nicht zu viel meckern, denn ich werde jetzt so ziemlich das Gleiche tun. Und das Ereignis, auf das ich zurückblicken will, ist für die Allgemeinheit sicher kein Herausragendes. Doch viel spannender als der Rückblick auf Momente, an die sich sowieso jeder erinnert, sind doch die Erinnerungen, die für die weite Welt längst vergessen, für einzelne Beteiligte und Miterlebende aber umso bedeutsamer sind.

Sprung zu: Galatasaray gegen den FC Arsenal, 4. August 2013.

Es war das letzte Spiel des glorreichen Emirates Cups, und es ging um den Turniersieg. Wer eben über das Wort „glorreich“ gestolpert ist, hat damit ganz Recht, denn der Emirates Cup ist natürlich nicht glorreich, sondern ein reines Vorbereitungsturnier. Ein bisschen Sommerkick, ein bisschen Spielzeit für die Neuen und Jungen, lockeres Schaulaufen.

Wen juckt so etwas schon, richtig? Falsch. Mich juckte das Spiel damals, sehr sogar.

Mit großer Aufregung und einem mulmigen Gefühl saß ich vor dem Fernseher. Und dieses mulmige Gefühl hat, nicht nur als Fan Galatasarays, sondern allgemein als türkischer Fußballinteressierter, bei internationalen Begegnungen lange Tradition.

Es ist sozusagen das gemeinsame Los der Fußballnationen, die irgendwo zwischen Großmacht und Fußballzwerg anzusiedeln sind. Deren Vertreter oft genug auf überlegene Mannschaften treffen und mit einer Niederlage rechnen müssen, die aber auch gegen weniger namhafte Gegner immer wieder mal für einen Ausrutscher gut sind. Wenn die Niederlage der Mannschaft, mit der man fiebert, oft von vornherein nicht nur Option, sondern ständige Wahrscheinlichkeit ist, dann prägt das einen.

So bin ich schon seit früher Kindheit mit der einzigartigen Reaktion türkischer Kommentatoren vertraut, wenn eine türkische Mannschaft gegen einen nicht-türkischen Gegner gerade ein Tor kassiert. Das läuft nicht so ab wie bei deutschen Kommentatoren, die legen nämlich auch bei Gegentoren deutscher Mannschaften meistens noch so viel Professionalität an den Tag, dass sie Tor und Gegner sprachlich und stimmlich die Ehre erweisen: „Und…..Tooooor! So-und-so trifft für Den-und-den! Ohohoh, da hat unser Der-und-der aber mächtig geschlafen! Doch man muss sagen: Das hat So-und-so auch ganz stark gemacht.“ Türkische Kommentatoren dagegen bringen solche Beschreibungen immer kurz und knapp über die Bühne, und das mit dem größtmöglichen Gegenteil an Begeisterung: „Schuss, und…liebe Zuschauer, wir liegen mit 0:1 hinten.“ Das geschieht in einer Stimmlage, mit der ein Ehemann seiner Ehefrau eröffnen müsste: „Schatz, weißt du noch, die letzte Ziffer, die wir auf unserem Lottoschein im letzten Moment umgeändert haben…Die hat uns gerade dreißig Millionen gekostet.“

Wenn man so etwas hört und dazu sieht, dass ein komplettes Stadion irgendwo in England, Spanien oder sonstwo gerade komplett ausrastet, während der Kommentator Trübsal ins Mikro bläst und die Abwehrspieler die Schultern hängen lassen, dann kann man nicht anders, als auch traurig zu werden. Was die Sache aus türkischer Sicht noch dramatischer macht, ist die Sehnsucht nach internationalem Ansehen und Erfolg.

Der gesellschaftliche Wert von Fußball in der Türkei ist nicht hoch genug einzuordnen, die Emotionalität, mit der Türken den Fußball betrachten, ebensowenig. Und dass die erhofften Erfolge über die Landesgrenzen hinaus bislang nur sporadisch vorkamen, zieht einen unterschwelligen Minderwertigkeitskomplex nach sich. Bei Galatasaray lässt sich dieses Spannungsverhältnis schon in der Vereins-DNA ablesen, denn Gründer Ali Sami Yen ließ einst als oberstes Vereinsziel verlauten, „so zu spielen wie die Engländer und nicht-türkische Mannschaften zu schlagen“.

Und damit kommen wir zum Duell mit Arsenal zurück.

Denn im Jahr 2000, also rund ein Jahrhundert, nachdem der Gründer die Vereinsmaxime niedergeschrieben hatte, gelang seinen sportlichen Nachfahren um Fatih Terim, Gheorghe Hagi und Co. ihre Erfüllung, indem man mit Arsenal einen englischen Verein bezwang, den UEFA-Cup holte und damit den wohl größten Erfolg der türkischen Fußballgeschichte einfuhr.

Als es 13 Jahre später zum Wiedersehen kam, hatte das also gleich doppelt symbolische Bedeutung: Es war nicht nur ein erneutes Duell um einen – wenn auch viel weniger bedeutenden – Pokal, sondern auch die Chance, ein weiteres internationales Ausrufezeichen zu setzen. Galatasaray befand sich nach tristen Jahren mitten im Wiederaufbau, der neue Vorstand hatte seit 2011 einige illustre Namen eingekauft, was sich mit zwei Meisterschaften in Folge und dem Erreichen des Champions-League-Viertelfinals, wo man sich gegen Real Madrid durchaus achtbar schlug, bezahlt machte.

Wir waren amtierender Meister, wir hatten ein Spiel gegen Real gewonnen, wir hatten jetzt Spieler wie Muslera, Sneijder, Drogba. Wir waren also wieder wer. Doch waren wir das wirklich? Im letzten Spiel des Emirates Cup konnten wir das zeigen. Gegen die Heimmannschaft, die einen Sieg brauchte, um den Turniersieg vor den eigenen Fans im ausverkauften Stadion zu holen.

Trotz aller kürzlichen Erfolgserlebnisse sah ich mir das Spiel von Anfang mit traditionell-großer Anspannung an, die nur noch größer wurde, da Fatih Terim mal eben Sneijder und Drogba auf der Bank ließ. Arsenal drängte den Gegner von Anfang an pausenlos in die eigene Hälfte, kurz vor der Halbzeit fiel das überfällige 1:0 durch Theo Walcott. Und da waren sie wieder, all die Begleitumstände von Pleiten auf internationalem Parkett, die ich über die Jahre verinnerlicht hatte: die traurige Kommentatoren-Stimme, die gesenkten Blicke in der Defensive, das jubelnde Heimpublikum.

Und dann kam Drogba.

Der war zu jenem Zeitpunkt schon ein halbes Jahr bei Galatasaray, und trotzdem war es noch immer ein ungewohnter Anblick und Gedanke. Der große Drogba, er war jetzt also tatsächlich bei meinem Verein.

Es gibt ja die Sorte von Protagonisten im Spitzenfußball, über die man sich gut und gerne echauffieren kann, wenn sie Teil einer gegnerischen Mannschaft sind, die man aber insgeheim am liebsten in der Mannschaft sehen würde, der man die Daumen drückt. Weil sie nicht nur eine gewisse Arroganz und ständige Selbstsicherheit an sich haben, sondern es auch verstehen, diese mit genug Witz oder Charisma zu kombinieren, sodass man ihnen eigentlich nicht böse sein kann. Spontan fallen mir da Namen wie Mourinho oder Ibrahimovic ein. Oder eben Drogba, der ist ein Paradebeispiel für diese Kategorie.

Fußballerisch sind sein Können und seine Vita unantastbar: Er vereint Athletik mit Technik mit Toren, hat so ziemlich alles gewonnen und ist sicher einer der schillerndsten Stürmer der neueren Fußballgeschichte. Um ihn feiern zu können, muss man bei Drogba aber über einige Eigenheiten und Ausfälle hinwegsehen, für die so mancher Fußballbeobachter vielleicht nicht ganz so empfänglich ist: wiederkehrende Diskussionen und Querelen mit Schiedsrichtern, Gegenspielern oder auch Mannschaftskameraden, der stets perfekt inszenierte Torjubel, eine allgemeine Leidenschaft für Theatralik. Die Ohrfeige, die er Nemanja Vidic im Champions-League-Finale 2008 verpasste, dafür die Rote Karte sah und das Spiel für den Gegner mitentschied, nur um die Szene später in seiner Autobiografie so zu beschreiben: „Ich wünschte, ich hätte ihn richtig geschlagen.“ Oder seine große Schwäche für Schwalben, die er nach ständiger Kritik in England einmal ganz locker kommentierte: „Sometimes I dive, sometimes I don’t.“

Drogba polarisiert, hat aber genug auf dem Kasten, um es sich leisten zu können – und genau solche Typen liebt der türkische Fußball.

Nehmen wir den früheren Besiktas-Stürmer Pascal Nouma, der in jedem Spiel für einen neuen Skandal gut und für seine Schwäche für das Istanbuler Nachtleben bekannt war. Und der schließlich aus dem Verein flog, weil er nach einem Tor im Derby gegen Fenerbahce das Trikot auszog und sich die Hand in die Hose steckte. Zwischendurch machte er aber ein Traumtor nach dem anderen. Außerdem identifizierte er sich so sehr mit dem Verein, dass er nach dem Rauswurf im leeren Besiktas-Stadion ein Interview gab, in dem er unter Tränen davon sprach, dass man ihn nicht von seinem Zuhause wegjagen könne, und zum Beweis gleich mal ein paar Grasbüschel aus dem Platz riss und aufaß.

Nouma war so etwas wie die Blaupause für ausländische Spieler, die die Herzen der Fans in der Türkei erobern wollen: Gute Leistungen plus ein Hauch von Extravaganz, und schon ist man auf dem besten Weg zum Helden auf Lebenszeit. Bis heute wird er von den Besiktas-Fans mit einem berühmten Sprechchor gefeiert: „Pascal, nimm‘ uns mit in die Disco!“

Drogba brauchte für den Heldenstatus bei Gala nur sieben Minuten. Bei seinem ersten Einsatz kam er beim Stand von 0:1 in Akhisar auf den Platz, erzielte fünf Minuten später ein außergewöhnliches Kopfballtor zum 1:1 und bereitete zwei Minuten später den Siegtreffer vor. Damit bewies er schon im ersten Spiel, dass der Name Drogba noch immer versprach, wofür Name und Karriere standen, nämlich für einen Fußballer, der für die großen Momente gemacht ist, egal ob für den entscheidenden Elfmeter im Champions-League-Finale oder eben für die im Alleingang herbeigeführte Wende in der türkischen Fußballprovinz.

Drogba ist ein vereinnahmender Fußballer, deshalb änderte sich Galatasarays Spiel nach seiner Ankunft und richtete sich ganz auf ihn aus, obwohl er kurz nach seiner Ankunft schon seinen 35. Geburtstag feierte. Doch er zahlte es mit Leistung zurück und gab der Mannschaft eine ganz neue Durchschlagskraft, und ich war schon nach einigen Spielen hin und weg, mit Drogba fühlte sich alles irgendwie größer und besser an. Ich war nicht der einzige Überwältigte: Schon kurz nach seiner Ankunft wurde ein Kind nach Drogba benannt, und als im Sommer 2013 die politischen Unruhen in Istanbul ausbrachen, wurde er zum versöhnenden und vereinigenden Symbol der Proteste von Fußballfans aller Istanbuler Vereine gegen die Staatsmacht.

Als Drogba in der Halbzeit gegen Arsenal eingewechselt wurde, war das für beide Mannschaften eine Hereinnahme mit tieferer Bedeutung. Für Gala sollte das namhafteste Pferd im Stall die Eisen aus dem Feuer holen (aus zwei Sprichwörtern mach eins), Arsenal traf auf einen alten Bekannten, der ihnen in den Jahren zuvor in Diensten des Lokalrivalen Chelsea mit vielen Toren das Leben schwer gemacht hatte. Und für Drogba selbst war es die perfekte Gelegenheit, einmal mehr zu beweisen, dass er da ist, wenn er gebraucht wird.

Was dann folgte, war fast schon zu Drehbuch-like. Es grenzt fast schon an Kitsch, denn die zweite Hälfte verlief ungefähr so, als hätte man einen Gala-Fan wahllos aus dem Publikum geholt, ihm Stift und Papier gereicht und gesagt: Schreib los Junge, du darfst bestimmen, wie die zweite Hälfte verläuft! Und wenn wir bei dem Gedanken bleiben, dann müsste der Junge ein großer Drogba-Fan gewesen sein.

Nachdem Gala vor der Pause nicht ein Mal gefährlich ins gegnerische Felddrittel gekommen war, spielten sie jetzt ungehalten nach vorne, die Hereinnahme von Sneijder und Drogba veränderte so gut wie alles.

Drogba wurde bei jedem Ballkontakt ausgebuht. Seine erste auffällige Aktion: Rüffel für einen Mitspieler, der bei einem Konter selbst den Abschluss suchte, anstatt ihn anzuspielen. Kurze Diskussion, weiter. Als er nach einem Zuspiel von Sneijder aus spitzem Winkel den Ball neben das Tor setzte, jubelte das ganze Stadion, Drogba verzog nur kurz das Gesicht. Nächster Angriff: Steilpass auf Drogba, der nahm den Ball mit der Hacke mit, ließ dann Per Mertesacker ins Leere laufen und zog ab, doch Szczesny hielt fest. Ich kann mich noch genau an einen Gala-Fan erinnern, der nach dieser Szene zu sehen war und sie mit erhobenen Armen bejubelte wie ein Tor.

Die danach folgende Szene brachte Arsene Wenger nach dem Spiel so auf den Punkt: „It was a classic Drogba.“ Nach einer Sneijder-Flanke wurde er im Strafraum von Gegenspieler Ignasi Miquel leicht geschubst, nahm das Geschenk an und ging recht freiwillig zu Boden, der Schiedsrichter gab den Elfmeter. Während die Arsenal-Spieler noch ungläubig die Hände über dem Kopf zusammenschlugen, stand Drogba auf, machte eine kurze „Klar, muss man geben“-Geste, schnappte sich dann den Ball und versenkte trocken. Danach lief er einen kleinen Kreis im Strafraum mit ausgebreiteten Armen, drehte den Zuschauern hinter dem Tor seinen Rücken zu und zupfte an den Schultern seines Trikots, um sie daran zu erinnern, dass das alte Arsenal-Schreckensgespenst zurück war.

Drogba hatte jetzt Lust, Drogba drehte auf, während ich zu überlegen begann, was oder wen ich denn einmal nach ihm benennen könnte. Kurz nach dem Ausgleich setzte er sich auf der rechten Seite gegen zwei Mann durch, ließ den zweiten gleich nochmal stehen und wuselte sich bis zum Fünfmeterraum durch, bis er dann doch noch im letzten Moment gestoppt wurde. Dann stand er auf und grinste. Das 1:1 reichte Gala zwar, um Arsenal hinter sich zu lassen, um auch den FC Porto zu überholen und Erster zu werden, brauchte es aber ein weiteres Tor.

Dann kam die 87. Minute, und was da geschah, habe ich mir wohl öfter angesehen als jede andere Spielszene der vergangenen Jahre: Sneijder hebt den Ball von der linken Seite in den Strafraum, Drogba nimmt den Ball an, und zwar instinktiv so, dass er drei Sachen auf einmal schafft: Ball kontrollieren, Mertesacker ins Leere laufen lassen, in Schussposition kommen.

Die Lautstärke im Stadion steigt sprunghaft an, dann zieht er mit links ab, verlädt den Torwart, der Ball schlägt ein, es steht 2:1. Drogba rennt zur Eckfahne, geht mit Anlauf in die Knie, breitet die Arme aus und verharrt triumphierend in der Pose. Beim übertragenden englischen Sender ruft der Kommentator in dem Moment: „He’s done it, who else! Arsenal just cannot keep this man down!“

Drogba gewann Gala also die Partie, und damit das Turnier. Bei aller sportlich eher geringen Bedeutung des Turniers war ich als Fan stolz auf diesen Pokal. Er war ein Indiz für den Vorwärtsgang, für Emanzipation, für neues Selbstvertrauen. Wer einen Drogba an Bord hat, der braucht sich vor niemandem zu fürchten und nicht mehr ängstlich vor dem Fernseher sitzen, in der Befürchtung, dass der Kommentator in seine Tieftraurig-Stimme verfallen und ein neues Debakel anmoderieren wird. Seine Aura, seine Erfolge und seine Fähigkeit, in den wichtigen Momenten zur Stelle zu sein, das alles gibt ihm eine Größe, die seine Mannschaft automatisch größer wirken lässt.

Genau das ist der Grund, warum ich den damaligen Doppelpack gegen Arsenal und seinen Schützen nie vergessen werde. Und warum ich Drogba, der inzwischen in Übersee Fußball spielt, so sehr vermisse: Er gab uns das Gefühl von Stärke.

10 Gedanken zu „Und dann kam Drogba“

  1. Hallo Sinan, schön dass es wieder Einträge gibt.

    Zu der Thematik Drogba. Ich habe ihn auch einmal live spielen sehen können, als er mit Chelsea beim ruhmreichen Bayer gastierte. (November ´11). Ich hatte bis dahin keinen guten Eindruck von ihm gehabt, auch wenn ich ihn nur aus der Ferne gesehen habe. So intensiv habe ich die englische Liga halt nicht verfolgt. Aber den Eindruck den ich hatte, war halt irgendwie negativ. Kann das weder genauer beschreiben, noch genauer begründen.

    Wie dem auch sei. In dem Spiel war einer der Momente gegeben, wo man die Austrahlung (die Aura?) eines wirklich großen unseres Sport bis auf die Tribüne spüren konnte. Es beeindruckte mich einfach mit welcher Wucht, mit welchem Einsatz er zu Werke ging. Dabei war immer das zu sehen, was ich unter fairplay verstehe, was sich aber meist immer abseits der Kamera abspielt. Nach dem Zweikampf wurde dem Gegenspieler aufgeholfen, es wurde mit dem Gegner abgeklatscht und man hatte nie den Eindruck, dass er im Zweikampd linke Mittel nutze. Ausgesprochen beeindruckend.

    PS.: Bei dem Spiel hatte auch einer meiner Heroren des Fussballs einen seiner letzten großen Auftritte: Michael Ballack, aber das ist eine andere Geschichte…

    1. Hey Lülü, vielen Dank für deinen Kommentar.

      Ich kann dir nur zustimmen, Drogba live zu sehen war meistens ein Erlebnis. Ich war 2013 bei zwei Gala-Spielen im Stadion, im ersten besorgte er gegen Antalya den späten Ausgleich, paar Tage später musste er gegen Real nach einem Foul von Pepe leider verletzt runter und es gab ein heftiges 1:6.

      Aber wie du sagst, er sticht einfach heraus, egal ob man jetzt im Stadion sitzt oder vor dem Fernseher.

      Danke fürs Mitlesen und viele Grüße

  2. um mal die perspektive eines langjährigen arsenal-fans beizusteuern: ich hab heute noch albträume von diesem kerl. der kommentator, den du zitiert hast, hat das schon treffend beschrieben; ich kann mich an kein spiel gegen drogba erinnern, bei dem er mir nicht unfassbar angst gemacht hat. wirklich ein großartiger spieler, der einer der letzten weltklassestürmer der generation vor messi und ronaldo ist. ich würde ihn verständlicherweise niemals einem thierry henry vorziehen, aber er steht für mich auf einer stufe mit dem heute leider immer wieder vergessenem eto’o.

    sehr schöner artikel, würde mich freuen, wenn in zukunft wioder mehr kommt.

    1. Hey Baris,

      auch dir vielen Dank fürs Lesen und deinen Kommentar. Es ist natürlich interessant, die Drogba-Sache auch mal von der anderen Seite aus zu hören. Inzwischen ist Arsenal ihn ja los, und ich bin sehr gespannt, wie sie sich dieses Jahr schlagen werden. Und da hab ich irgendwie auch ein gutes Gefühl.

      So gut, dass ich mit einem Kumpel um den nächsten Meister der Premier League gewettet und meine Kohle auf die Jungs gesetzt habe…Bin ab sofort also auch inoffizieller Fan :-)

  3. Erst mal Hallo. Ich wurde „gezwungen“ diesen Text zu lesen. Und er hat mir sehr viel Freude bereitet.

    Was ich selten bei einem Text verspürt habe, der meinen eigenen Einschätzungen so dermaßen widerspricht. Ich verabscheue diese ganzen Fuji-Cups. Und ich halte die Galatasaray-Phase mit Snejder für taktisch rückschrittlich und insgesamt lächerlich. Tatsächlich kulminiert der ganze Selbstbetrug des BVB aus der letzten Hinrunde für mich in der Begeisterung über Siege gegen ein Galatasaray, das spielte, wie ich es zuletzt bei Schalke mit Lincoln gesehen habe (Übertreibung ist die Mutter der Darstellung).

    Und trotzdem habe ich bei Deiner Beschreibung an Deinen Lippen gehangen, als ginge es um das entscheidende Spiel gegen den Abstieg. Das darfst Du gerne Deiner Art zu schreiben – oder, um genauer zu sein, Deiner Art zu reden – ankreiden. Ich möchte gerne mehr davon lesen. Ich hoffe, dieses Vorhaben umzusetzen (leider gelingt mir dies in den letzten Jahren immer weniger).

    Worin ich Dir allerdings zustimmen muss: Drogba war eine Naturgewalt. Ein unfassbarer Spieler. Ich habe wohl noch keinem anderen Fußballer mit einer solchen Faszination zugeschaut, der ausschließlich in Mannschaften spielte, die ich nicht mag (jetzt schon wieder so ein Seitenhieb – entschuldige bitte, aber so ist es halt).

    Wenn Christiano Ronaldo für Real irgendwas geniales veranstaltet, Kahn den Bayern das Spiel rettet oder Roberto Carlos unverdient das Spiel gegen Dänemark dreht (subjektiver Eindruck) – natürlich ganz großer Respekt, aber auch die in der Tasche geballte Faust.

    Drogba versenkt diesen einen Ball im Tor, einfach, weil er der Meinung ist, da gehöre der Ball jetzt hin und niemand auf der Welt kann etwas dagegen machen – ich will nicht jubeln. Ich will mich ärgern. Aber ich kann nicht.

    1. Hallo Sternburg und danke, dass du dir Zeit für den Text genommen hast. Dass er dir gefallen hat, freut mich sehr.

      Dass du die Entwicklung des Vereins in den letzten Jahren kritischer siehst als ich, kann ich durchaus nachvollziehen. Für taktische Innovationen war Gala in letzter Zeit sicher nicht bekannt, und die sportliche Lage sowie die Aussichten auf die Zukunft sind zurzeit auch nicht gerade vielversprechend.

      Und klar kann man Transfers wie Sneijder und Drogba als reine Lösungen auf Zeit sehen, aber ich denke, als türkischer Spitzenklub hast du kaum andere Möglichkeiten. Die Fans sind verrückt nach großen Namen und fordern jedes Jahr neue Stars. An die ganz großen kommt man aus sportlichen Gründen nicht ran, mit unbekannten Talenten kommt man bei der Anhängerschaft nicht durch, also greift man sich eben Stars, die leicht über ihrem Zenit stehen und mit dem richtigen Geld gelockt werden können. Den Preis für dieses Prinzip zahlt Gala spätestens jetzt, da der Verein über die Jahre komplett heruntergewirtschaftet wurde und voraussichtlich von der UEFA für ein oder zwei Jahre für internationale Wettbewerbe gesperrt wird.

      Auch wenn es der Text suggerieren mag, sehe ich also den Verein nicht nur blauäugig. Gleichzeitig muss man auch sehen, dass man eben vor allem durch Namen wie Sneijder und Drogba nach langer Zeit Achtungserfolge in Europa feiern konnte. Und dass man als Fan nun eben behaupten kann, dass man einen Spieler wie Drogba in den Farben seines Vereins miterlebt hat :-)

      Viele Grüße

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