Späte Genugtuung für Fabrice Reuperné

Gestern begann in den USA der Gold Cup, bei dem Mitgliedsländer aus Nordamerika, Zentralamerika und der Karibik alle zwei Jahre den Primus des CONCACAF-Verbandes ausspielen, und das noch junge Turnier lieferte gleich zu Beginn eine schöne Geschichte.

Erstmals seit 2003 konnte sich die Karibikinsel Martinique für das Turnier qualifizieren und traf zum Auftakt auf Kanada, das ungefähr 90-mal so viele Einwohner hat wie Martinique, falls ich das eben korrekt ausgerechnet habe. Beide Nationen bzw. Nationalmannschaften haben eine gemeinsame Gold-Cup-Vorgeschichte, denn 2002 hatte Martinique mit dem Erreichen des Viertelfinals für Überraschung gesorgt, war dort als Underdog gegen Kanada aber knapp nach Elfmeterschießen gescheitert. Am Ende hieß es damals 6:5 für Kanada, da bei Martinique ein Mittelfeldakteur namens Fabrice Reuperné verschossen hatte.

Nun kam es also zum Wiedertreffen nach elf Jahren, und auch Reuperné, der inzwischen 37-jährige Pechvogel von damals, war mit von der Partie, nahm aber zunächst auf der Bank Platz. Von dort aus sah er, wie seine Kollegen das Spiel bestimmten und den Gegner überraschend deutlich im Griff hatten, aber immer wieder am eigenen Unvermögen vor dem gegnerischen Tor scheiterten, 27 Schüsse brachten keinen Erfolg.

In der 79. Minute wurde Reuperné beim Stand von 0-0 eingewechselt. Was er zwischen der 79. und der Nachspielzeit so alles trieb, weiß ich nicht, doch dann kam die 92. Minute, und mit ihr eine Szene, die von der Konstellation her an tausendfach gesehenen Schlussszenen aus Sportfilmen erinnert:

Der Held, der Rückschläge erleiden musste, auf einen übermächtigen Gegner trifft und lange auf die Erlösung warten musste, bekommt nun seine Chance, mit einer Aktion das Vergangene vergessen zu machen und den Triumph herbeizuführen. Der Ball kommt in seine Richtung, die Möglichkeit ist da – an dieser Stelle sieht man immer kurz in Zeitlupe die mitfiebernden Verwandten und Freunde des Helden auf den Zuschauerplätzen – er muss sie nur noch nutzen, dann ist das Happy End da. Danach Jubel, Trubel, Heiterkeit, Abspann.

Reuperné hielt sich ans Skript, und das fulminant.

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