Feiern wie die Großen

In der englischen Hafenstadt Harwich ist eine Freizeitmannschaft namens Duckpond FC beheimatet, die erst 2011 gegründet wurde, sich am Wochenende aber bereits über die zweite Meisterschaft und damit den zweiten Aufstieg in Folge freuen durfte.

Die erste Frage, die sich einem frischgebackenen Meister stellt, ist meistens eine organisatorische: Wie soll der Titel gefeiert werden? Normalerweise gilt da für alle Amateurmannschaften in etwa das Gleiche: Bier oder Sekt auf dem Platz, vielleicht ein Satz extra in Auftrag gegebener T-Shirts, danach noch mehr Bier und Sekt in der Kabine, und zum Abschluss mit den Kameraden der nächtliche Absturz in irgendeiner örtlichen Disse.

Nicht so der Duckpond FC, der hat sich nämlich bei den ganz Großen orientiert. Für 300 £ wurde ein offener Doppeldecker-Bus gemietet, darauf ein für 150 £ erstellter Banner platziert und schon zogen die Jungs wie ein waschechter Champions League-Sieger durch ihren Wohnort. Auch wenn es im Vergleich zu den gewöhnlichen Meisterparaden keine jubelnden Menschenmengen, keine TV-Kameras und keinen gesperrten Verkehr gab, bewies die Mannschaft, in der seit ihrer Kindheit befreundete Barkeeper, Schweißer, Zugführer etc. kicken, mit der Aktion Humor und sorgte für eine sicher unvergessliche Meisterfeier.

Kapitän Kris Muir: „Wir wollten unseren Titel angemessen feiern.“ Das habt ihr.

De Vanna

Lisa Marie De Vanna hat nicht nur einen sehr schönen Namen, sondern ist auch eine der besten Offensivspielerinnen der australischen Liga, wenn nicht sogar die beste, und die beste Spielerin ihrer Mannschaft Sky Blue FC allemal. Diese Einschätzung kommt nicht von mir, sondern vom Kommentator der gestrigen Partie zwischen ihrem Sky Blue FC und den Boston Breakers (wieder ein schöner Name).

Während der Partie kam es zu folgender Szene: Die im Strafraum lauernde De Vanna positioniert sich unter einen von ihrer Mitspielerin auf Höhe des Elfmeterpunktes gehobenen Ball und hätte eigentlich ausreichend Zeit und Raum, um den Ball zu kontrollieren und ihn dann aufs Tor zu befördern. Da De Vanna aber sowohl über einen Sinn für das Spektakuläre als auch über eine hervorragende Körperbeherrschung verfügt, dreht sie sich urplötzlich um, hebt ab und setzt zu einem sehenswerten Fallrückzieher an. Der Kommentator ist begeistert, und das zu Recht.

Ibra x 30

Als Zlatan Ibrahimovic letzten Sommer bei Paris Saint Germain vorgestellt wurde, fand er blumige Worte für die Begründung seines Wechsels:

„Es ist ein sehr großer Schritt in meiner Karriere und ein weiterer Traum, der wahr wird.
Ich bin sehr glücklich, weil es ein Projekt ist, das ich mitgestalten möchte.
Ich will Teil der Geschichte dieses Vereins werden.
Ich bin hier um zu gewinnen und nichts anderes.“

Wirft man den Übersetzer für oberflächliches Pressekonferenzgeschwurbel an, bekommt man folgende Ergebnisse:

„Es ist ein sehr großer Schritt für mein Konto und ein weiterer finanzieller Traum, der wahr wird.
Ich bin sehr glücklich, weil ich jetzt noch steinreicher werde, als ich eh schon bin.
Ich will Teil der unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten dieses Vereins werden.
Ich bin hier um zu gewinnen und nichts anderes. Und für die Kohle.“

Denn für 14 Millionen Euro im Jahr zu einem neureichen Klub, der vor dem neuen Reichtum keinerlei Attraktivität besaß, da braucht mir keiner mit den Vorzügen des Projekts und der Geschichte des Vereins zu kommen.

Ich merke aber gerade, dass ich mich durch die kritische Betrachtung des Transfers in der Richtung des Beitrags ein wenig verfahre, denn eigentlich soll am Ende ein Video mit allen 30 Saisontoren Ibrahimovics angepriesen werden, deswegen sollten wir uns vielleicht mehr auf die rein sportliche Betrachtung von Ibrahimovic konzentrieren. Denn auch wenn er auf viele nicht gerade als Sympathiebolzen wirken mag, so ist er als Offensivspieler nichts anderes als ein Gesamtpaket. Physis, Technik, Instinkt, Nervenstärke, Passspiel, Übersicht, Abschluss, alles da, alles überragend.

Das folgende Video fasst in dreißig Schritten zusammen, wie er Paris zum Titel geschossen hat. Per Fuß, per Kopf, per Direktabnahme mit dem Außenrist, mit Freistößen, mit der Brust. Das Jahreszeugnis des wohl komplettesten Stürmers unserer Zeit.