Großes, estnisches Kino

Ich hätte ja nie gedacht, dass ich mich einmal in die Fangruppe eines estnischen Drittligisten verlieben würde, und ich bin mir sicher, dass es den meisten ganz genauso geht. Und doch wird wohl keinem nach dem Ansehen des folgenden Videos, aufgenommen vor einer Heimpartie von Welco Elekter, etwas anderes übrig bleiben. Mich hat es jedenfalls schon erwischt.

Man sieht das Stadion des Drittligisten vor einem Heimspiel, es ist eine idyllische, kleine Spielstätte, hinter der Hauptribüne sieht man den anliegenden Wald, der Großteil der Zuschauerplätze ist leer. Nur auf Höhe des Mittelkreises haben sich ein paar Dutzend Anhänger versammelt, doch was die beim Einlaufen der Mannschaften auf die Beine stellen, ist ganz großes Kino. Nichts, was dem modernen Fan an legalen und illegalen Mitteln als Form der Unterstützung zur Verfügung steht, wird ausgelassen: Fahnen, Bengalos, Trommeln, Schlachtrufe, dramatisch klingende Richard Strauss-Sinfonie, und als Highlight ein großes Banner, das im Hintergrund hochgezogen wird.

Heraus kommt: Champions League-Feeling im estnischen Nirgendwo.

So muss das sein! Nur keine falsche Bescheidenheit. Mir gefällt auch sehr, wie die Spieler der Heimmannschaft das auf dem Rasen gelandete Konfetti ganz nüchtern zur Seite räumen – nach dem Motto „Tolle Show, Männer, habt euch echt wieder selbst übertroffen, aber haben heute ’nen strengen Schiri.“

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