Friendly City

Ich habe neuerdings ein Faible für den Blick hinter die Kulissen des Sports entwickelt. Auf den Geschmack gekommen bin ich durch das Buch „The Jordan Rules“, das von einem Sportreporter geschrieben wurde, der Michael Jordan und seine Chicago Bulls während der Meistersaison 1990/1991 begleitete. Wusstet ihr zum Beispiel, dass Jordan geradezu keinen Kontakt zu seinen Mitspielern außerhalb der Partien und Trainingseinheiten pflegte und dass er auf dem Weg ins Training immer unterschriebene Bälle und Tickets dabei hatte, da er immer zu schnell unterwegs war und sich so lästige Polizeibeamte vom Leib halten konnte? Solche Sachen. Wie ich sehe, komm ich vom Thema ab.

Jedenfalls bin ich vor einiger Zeit auf die Social Media-Aktivitäten von Manchester City aufmerksam geworden und muss sagen, dass der einiges kann. Wie jeder weiß, ist Manchester City wie alle anderen neureichen Vereine bei traditionell angehauchten Fußballbeobachtern nicht gerade heißgeliebt. Das wird mit ein Grund dafür sein, dass der Verein sehr bemüht ist, sich ein positives und offenes Image zu basteln, und wo bastelt man sich ein solches heutzutage? Richtig, im Internet. Das geht bei vielen Unternehmen gut, bei vielen schief (irgendwo habe ich gelesen, dass Nestlé auf kritische Facebook-Kommentare einmal wie folgt reagiert hat: „Danke für die Lektion in Sachen Manieren. Fühlen Sie sich umarmt. Aber es ist unsere Seite, wir machen die Regeln, es war immer so“, fand das ziemlich unglaublich). Bei City scheint man das Prinzip verstanden zu haben.

Der Youtube-Kanal von City hat 1589 Videos und beinahe doppelt so viele Abonnente wie der FC Bayern München. Es gibt wie bei fast allen solchen Kanälen das übliche Drumherum des Spielbetriebs in Form von Pressekonferenzen, Aussagen unmittelbar nach Begegnungen usw. Was den City-Kanal aber von vielen anderen unterscheidet, ist die Tiefe des Einblicks, die dem Zuschauer geboten wird. Die Kameras sind bei City so oft und so nah mit dabei, dass man buchstäblich das Gefühl hat, mit Aguero, Silva, Toure und Co. auf Tour zu sein und den Jungs über die Schulter zu schauen.

Da gibt es beispielsweise die Tunnel Cam, die alles aufzeichnet, was sich vor, während und nach wichtigen Partien in den Katakomben abspielt (hier am letzten Spieltag gegen Arsenal). Es sind aber vor allem die kleineren Einblicke, die Spaß machen. Wenn man zum Beispiel James Milner dabei zusehen darf, wie er nach einer Trainingseinheit seelenruhig sieben Bälle quer über den Platz schlägt und in einem Ballsack versenkt, den ein Betreuer festhält, dann wird einem auf schöne Weise vermittelt, welch enormen fußballerischen Fähigkeiten auf diesem Niveau eine Selbstverständlichkeit sind. Ein stellvertretendes Highlight ist auch dieser Abschnitt hier vom Sommer-Trainingslager in den USA, wo man den inzwischen abgewanderten Carlos Tevez mit einer Art Stirnband-Kamera versorgte, die dieser während eines Trainingsspiels trug. Die von der Kamera aufgezeichneten Bilder sorgen dafür, dass man als Zuschauer in den Spieler Tevez schlüpft, mit ihm über den Platz rennt, sich freiläuft, von Mitspielern ein Zuspiel fordert, sich zwischen drei Gegenspielern freidribbelt, aufs Tor schießt.

Es lohnt sich also, mal reinzuschauen. Auch wenn man kein Freund von fremgesteuerten, neureichen Klubs ist, muss man City in diesem Fall zugute halten, dass das geschenkte Geld wenigstens für etwas Sinnvolles genutzt wird.

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