Der ereignisreiche Transfer des Tolgay A.

Es war eigentlich klar, dass es so kommen musste. Tolgay Arslan ist ein türkischstämmiger Spieler, der bis vor kurzem Bundesligaverein zu mehr oder minder regelmäßigen Einsatzzeiten kam. Damit erfüllt er grundsätzlich das Beuteschema jedes türkischen Profivereins, denn seitdem man in der Süper Lig nur noch eine begrenzte Zahl an ausländischen Spielern einsetzen darf, werden türkische und türkischstämmige Spieler in aller Welt händeringend gesucht. Wenn ein solcher Spieler dann aus dem hoch angesehenen Deutschland kommt, der Liga des Weltmeisters, ist dann umso mehr ein Grund für die Verpflichtung. Ich habe zwar keine Statistik zur Hand, schätze aber mal grob, dass inzwischen um die 30% aller Spieler in der Süper Lig eine deutsche Vorgeschichte hat. Und wenn dann mal ein Verein aus Istanbul anklopft, hören sich das die meisten Spieler aufgrund der Attraktivität der Stadt zumindest auch an.

Deutschtürkische Fußballer und Istanbul, das ist also eine Art ewiger Flirt.

Und Tolgay Arslan schon seit längerem ein Name, der immer wieder durch die türkischen Gazetten wanderte, und als er gegen Ende der Hinrunde seinen Stammplatz beim Hamburger SV verlor und einem Wechsel nicht abgeneigt schien, nahm das Chaos in der Türkei seinen Lauf. Schlagzeilen, Verhandlungen, Enthüllungen, Skandale, alles war dabei in den letzten Tagen. Der Grund: Fußball ist in der Türkei nie nur Fußball, sondern immer auch Streitthema, Zirkus, Lebensinhalt aller Beteiligten, ständig an der Schwelle zum Politikum. Und deswegen wechselte Tolgay Arslan auch am Wochenende nicht nur in die Türkei – nein, er löste, wohl ohne dies zu beabsichtlichen, ein wochenlanges, mediales Erdbeben aus. Und das gehen wir jetzt Schritt für Schritt einmal durch.

31.12.2014, „Fanatik“ sagt: „Tolgay Arslan wird entweder zu Fenerbahce oder zu Galatasaray gehen…“

Kurz vor Jahreswechsel geht es also los. Die Fanatik, in etwa vergleichbar mit der Sportredaktion der BILD auf Speed, wirft Interesse von Fener und Gala an Tolgay Arslan in den Raum, nimmt also gleich mal die zwei absoluten Big Player am Bosporus mit ins Boot.

Für die Fener-Gala-These gibt Fanatik eine interessante Quelle an, sie stamme aus einem Radio-Interview mit Ali Günes, dem früheren Profi, der ebenfalls den Sprung von der Bundesliga in die Türkei gewagt hatte. Woher weiß Günes aber, dass die zwei Vereine tatsächlich interessiert sind? Kennt er Arslan vielleicht persönlich und hat Infos? Erfährt man nicht, dafür das hier: „Bevor Tolgay zu Lazio wechselt, wird er Fener und Gala vorziehen.“ Wäre das also nicht geklärt.

29.12.2014: „Sabah“ sagt: „Großes Gerangel um Tolgay Arslan“

Dieser Artikel erschien zwei Tage vor dem Fanatik-Günes-Ding, wurde von mir beim Schreiben aber erst nach diesem entdeckt und wird deshalb zu meinem Bedauern chronologisch falsch aufgelistet. Jedenfalls hat die Sabah im Vergleich zu Fanatik ein paar wesentlichere Infos, und zwar im Hinblick auf die Argumente beider Seiten in ersten Verhandlungen. Die werden im Artikel schön kompakt serviert: Gala biete „Champions League“, Fener biete „Geld“. Klingt ganz schön forsch von Gala, schied man doch bereits sang- und klanglos in der Vorrunde aus und hat noch einen langen Weg, um sich für die Königsklasse im nächsten Jahr zu qualifizieren. Noch forscher klingt das Vorgehen von Fener. Denn wie soll man sich die ersten Gespräche vorstellen? Arslan: „Ja und was verdient man bei euch denn so?“ Fener-Vertreter: „Geld!“ Arslan: „Wo soll ich unterschreiben?“ Klingt gewagt, eine Quelle wäre auch hier nett, liebe Sabah. Was habt ihr im Angebot? Das hier: „Meldungen deutscher Medien zufolge…“ Goldene Regel des Laissez-faire-Journalismus: Bei Erfundenem einfach nebulös klingende Quellen dazuschreiben, merkt doch keiner.

30.12.2014: „Habertürk“ sagt: „Die 3 Großen sind hinter ihm her!“

Wer aufgepasst hat, wird gemerkt haben, dass wir inzwischen die Sache mit dem chronologischen Vorgehen vollends abgehakt haben, man möge es mir verzeihen. Doch viel wichtiger ist die im hier genannten Artikel verbreitete Info, nämlich: Aus zwei mach drei! Besiktas gesellt sich nämlich jetzt auch zu den möglichen Abnehmern, und zum ersten Mal kriegen wir etwas Handfesteres zu hören, nämlich von Arslans Berater Francesco Di Frisco: „Besiktas hat ernsthaftes Interesse an Tolgay. Fenerbahce hat auch begonnen, sich mit Tolgay auseinanderzusetzen. Galatasaray ist sowieso schon seit Roberto Mancinis Amtszeit an Tolgay interessiert.“ Neben der durch Istanbul schwappenden Interessen-Welle fällt mir an den Aussagen vor allem auf, dass Herr Di Frisco Gefallen daran zu haben scheint, den Namen seines Klienten auszusprechen, Personalpronomen zur Abwechslung sind wohl völlig tabu. Vielleicht sagt er manchmal auch Sachen wie: „Tolgay ist ein guter Junge, es macht Spaß, mit Tolgay zu arbeiten. Ich denke, Tolgay hat eine große Zukunft vor sich. Doch dazu muss Tolgay weiter an sich arbeiten, so wie Tolgay das bisher immer getan hat.“

10.01.2015: „Haberler“ sagt: „Gökhan Töre wird Tolgay Arslan mitbringen“

Nach ein paar Tagen Winterpause geht es im neuen Jahr weiter mit der Arslan-Story. Inzwischen wird in den türkischen Blättern generell Besiktas favorisiert, und mit ein Grund soll aufgrund des hier genannten Artikels Besiktas-Spieler Gökhan Töre sein. Der ist wie Arslan in Deutschland aufgewachsen, hat ebenso einst in Hamburg gespielt und soll mit Arslan befreundet sein, so eng sogar, dass man gerade einen gemeinsamen Dubai-Urlaub hinter sich gebracht habe. Töre werde Arslan ganz bestimmt zu einem Engagement bei seinem Verein überreden können. Dabei gebe es nur noch zwei Probleme: Zum einen bringe Arslans Noch-Verein Hamburg den Spieler „ganz durcheinander“, ohne dass dies weiter ausgeführt wird, zum anderen sei wohl auch noch Hertha an einer Verpflichtung interessiert. Wir suchen wieder einmal nach einer Quelle und stoßen auf die ominösen zwei Wörter „iddia edildi“. Diese sind für den geübten Leser laut schreiende und rot blinkende Signalwörter, denn sie bedeuten nichts anderes als „…wurde gesagt.“ Also schön in anonymer Passivform, ohne Angabe irgendeiner Person oder Mediums, das das Erzählte „gesagt“ haben soll.

12.01.2015: „Fanatik“ sagt: „Besiktas hat sich mit Tolgay Arslan geeinigt“

Aha! Jetzt kommt Bewegung in die Sache. Die Jungs von „Fanatik“ hauen die Schlagzeile raus, als wäre schon alles in trockenen Tüchern, nur um dann im Artikel dezent klarzumachen, dass die Tücher so ganz trocken doch noch nicht sind: „Die Schwarz-Weißen sind sich mit dem Hamburger Tolgay Arslan so gut wie einig.“ Kleiner, aber feiner Unterschied, der mich an einen alten Kumpel erinnert. Der hatte sich in einer geselligen Runde mal wie folgt zu Wort gemeldet, als es um eine Dame aus unserem Ort ging: „Mit der hatte ich doch letztes Jahr an Fasching ‚was!“ Als wir uns alle überrascht bis ungläubig zu ihm drehten, meinte er: „Aber nur fast!“ Und landete damit den Gag des Abends. Wo waren wir? Genau, Besiktas und Tolgay, kurz vor der feierlichen Vermählung. Interessant auch, wie das angebliche Interesse von Fener und Gala inzwischen einfach weggeschwiegen wird. Stattdessen landet ein ganz anderer Verein mit in der Tolgay-Tombola, nämlich Trabzonspor. Der Schwarzmeerklub will seit Menschengedenken die Lücke zu den drei Großen aus Istanbul schließen und geht dafür derzeit recht aggressiv auf dem Transfermarkt vor.

Kürzlich sicherte man sich zum Beispiel im Wettbieten mit Fenerbahce die Dienste des umworbenen Erkan Zengin, seines Zeichens schwedischer Nationalspieler und seit Jahren einer der auffälligsten Spieler der Liga. Nachdem Zengin wochenlang verkündet hatte, nur zu Fenerbahce wechseln zu wollen, war Trabzon-Präsident Ibrahim Haciosmanoglu nach Schweden gereist, hatte den Spieler überzeugt und ihn Fener doch noch weggeschnappt. Sollte das Gleiche etwa auch in diesem Fall gelingen? „Fanatik“ macht es jedenfalls spannend: „Man munkelt, dass Trabzonspor bis zur letzten Sekunde um diesen Transfer kämpfen wird.“ Da war jemandem die „Wurde gesagt“-Formel wohl zu ausgelutscht.

24.01.2015: Tolgay Sr. sagt so einiges.

Berühmt-berüchtigt sind sie inzwischen, die deutschtürkischen Spielerväter. Mesut Özils Papa hat es vorgemacht: Sobald sich der Sohnemann ins Rampenlicht gekickt hatte, staubte der Vater eine eigene Vermarktungsfirma ab, wurde mit Schönheiten beim Planschen im Meer abgeknipst und durfte sich oft und ausgiebig in BILD und Konsorten zu Wort melden. Man kann nicht pauschalierend sagen, dass jeder Spielervater sich nach der großen Bühne sehnt, doch sehr oft übernehmen sie im Falle von deutschtürkischen Spielern die Rolle des Sprachrohrs und meinungsstarken Lenkers. Und sind damit natürlich gerngehörter Gesprächspartner der Medien. So auch Erhan Arslan, der am Samstagabend live in der bekannten Sendung „Beyaz Futbol“ zugeschaltet wurde, die dafür berüchtigt ist, in Telefoninterviews dem Gesprächspartner ganz geschickt fertige Schlagzeilen aus der Nase zu ziehen.

Ich erinnere mich noch sehr gut an das Interview mit Hakan Calhanoglu zu Zeiten von Gerüchten über einen Wechsel zu Galatasaray, und daran, wie der arme Hakan in eine Falle nach der anderen stolperte: „Das Interesse von Roberto Mancini? Ehrt mich natürlich, mein Manager steht im Kontakt.“ – „Falls ich komme, will ich natürlich in der ersten Elf stehen. Ich habe viel Selbstvertrauen.“ – „Ich könnte nur zu Galatasaray wechseln, mein Herz schlägt gelb-rot.“ – „Wenn ich komme, will ich die Nummer 10.“ Und, mein Favorit: „Ob ich mir zutraue, Wesley Sneijder zu verdrängen? Klar!“

Der gleiche Moderator wie damals führt auch das Gespräch mit Erhan Arslan und legt sich gleich ins Zeug: „Ihr Sohn ist ein sehr bedeutender Spieler, wir wissen, dass er von zahlreichen deutschen, türkischen und sogar englischen Vereinen beobachtet wird!“ Dem entgegnet der Vater trocken: „Wer hat Ihnen das mit den englischen Vereinen erzählt? Da ist absolut nichts dran.“ Danach erzählt er, dass ihm ein Verbleib seines Sohnes in der Bundesliga am liebsten wäre, aber man höre sich alles an. Von Trabzon habe er nichts gehört, mit Besiktas sei man bereits weit. „Hat Besiktas ihrem Sohn 1,2 Millionen Euro geboten?“ – „Das ist auch falsch.“ – „Was ist, wenn morgen doch noch ein Angebot von Trabzon kommt?“ – „Morgen könnte auch ein Angebot von Barcelona, Real Madrid oder Spartak Moskau kommen.“

Es ist erstaunlich, in welche Einzelheiten dieses Gespräch sich nach und nach verliert. „Wie Sie wissen, werden in Deutschland und in der Türkei unterschiedliche Gehälter gezahlt“, sagt Erhan Arslan, „Hier zahlt man brutto, in der Türkei netto.“ Als weiteres Argument für Deutschland erzählt er vom kommenden Regionalliga-Spitzenspiel zwischen Alemannia Aachen und Rot-Weiß Essen, zu dem 30.000 Zuschauer erwartet würden, während das türkische Spitzenspiel zwischen Galatasaray und Besiktas vor kurzem ja nur 17.000 Zuschauer angelockt habe. „Hier werden Derbys ohne Beschimpfungen ausgetragen, es wird Fußball mit Anstand gespielt“, sagt er.

Der Moderator wechselt das Thema: „Ist Tolgay verheiratet? Will seine Frau in Istanbul leben?“ Als das Hin und Her an der 15-Minuten-Marke kratzt, sagt er: „Herr Arslan, ich habe hier Kollegen aus der Zeitungsbranche, die Zeitungen werden in einer Stunde gedruckt, deswegen muss ich Sie ein letztes Mal fragen: Sie sagen also, es gab wirklich überhaupt keinen Kontakt zu Trabzonspor?“ Am Ende einigt man sich darauf, dass sich die Arslans zwar prinzipiell mit Besiktas einig seien, dass man sich aber auch noch andere Interessenten anhören könnte, wobei das Geld nicht im Vordergrund stehe. Zwischendurch lässt Herr Arslan dann auch noch nebenbei die Bemerkung fallen, dass die ganze Arslan-Familie eigentlich Galatasaray die Daumen drückt.

25.01.2015: „Fanatik“ sagt: „Tolgay Arslan offiziell bei Trabzonspor“

Wende! Trabzon schlägt zu, „Fanatik“ und alle anderen Medien wollen von ihren früheren Schlagzeilen nichts mehr wissen und verkünden den Wechsel ans Schwarzmeer. Und wie hat Trabzon das hinbekommen? Nach dem Motto „Never change a winning Überzeugungstaktik“ war Trabzon-Chef Haciosmanoglu diesmal nach Hamburg gejettet und hatte Arslan mit einem höheren Gehalt als das bei Besiktas vorgesehene überzeugt. Nachdem man sich einig wurde, versammelte sich die ganze Gruppe – Präsident, Vorstand, Trainer, Arslan – und ließ sich noch kurz zusammen fotografieren. Auf dem Bild lächelte jeder, Arslan, seine Freundin, Coach Yanal und die Herren Vorstandsmitglieder, nur Haciosmanoglu lächelte nicht, da er das nie tut. Als Trabzonspor das Bild am Samstag in die Weiten Social Medias losließ, war die Hölle los. Twitter, Facebook, Webseiten, Fernsehen, überall nur noch Tolga und Besiktas und Trabzon und das Bild. Die Aufregung hatte einen Grund, denn spätestens jetzt war aus dem verwirrenden Transferkarussell ein greifbares Drama geworden, eine Dreiecksgeschichte mit zwei Gegnern und einem Heilsbringer. Dass dieser in den letzten sechs Spielen seines alten Vereins jeweils gar nicht oder nur wenige Minuten zum Einsatz bekam, interessierte da niemanden mehr. Klar war nur, dass eine der drei Parteien am Ende der Verlierer sein würde.

26.01.2015 „A24“ sagt: „Historischer Punktsieg für Besiktas gegen Trabzon“

Erneute Wende! Es ist verrückt. Nur einen Tag nach dem Trabzon-Bild macht ein weiteres Bild mit Tolgay Arslan die Runde, diesmal steht er lächelnd neben einer Delegation von Besiktas und hält das Trikot des Vereins in den Händen. Inzwischen muss sich Arslan natürlich die Frage gefallen lassen, ob es eine so gute Idee ist, sich mit jedem Vertreter ablichten zu lassen, der ihm ein Angebot vorbeibringt. Hat er etwa bei Rafael van der Vaart angerufen und ihn um Rat gebeten, wie man mit soviel Transferstress umgehen soll? Hat dieser ganz routiniert geantwortet mit: „Lass einfach mal paar Fotos machen, die dich mit den anderen Vereinen in Verbindung bringen, bin damit meistens gut gefahren“? Sicher ist, dass es natürlich nicht lange dauert, bis das Foto auch in Trabzon ankommt. Und die Reaktion darauf fällt ziemlich harsch aus. Auf der Homepage lässt der Verein umgehend verlauten: „Hiermit geben wir bekannt, dass wir auf den Transfer von Tolgay Arslan verzichten, mit dem wir uns gestern Abend geeinigt hatten und der auch mit Einverständnis seines Vaters uns eine Zusage gemacht hatte. Der Grund dafür sind Verhaltensweisen, die nicht mit unserer Vereinsphilosophie vereinbar sind.“

26.01.2015: Tolgay Arslan sagt: „Ich bin Galatasaray-Fan“

Liebe Profifußballer türkischer Abstammung in aller Welt, hier ist eine Botschaft an euch. Ganz wichtig! Wenn euch ein Journalist aus der Türkei ein Mikrofon entgegenstreckt und euch fragt, welche eure türkische Lieblingsmannschaft ist, dann verhaltet euch wie ein Profi und umgeht die Frage souverän. Bloß keine ehrliche Antwort! Ihr macht euch nur das Leben schwer. Denn falls ihr es doch tut und später dann wirklich mal ein Wechsel in die Türkei bevorstehen sollte, denkt sich euer Lieblingsverein: „Ach, arg bemühen brauchen wir uns um den ja nicht, der steht ja sowieso auf uns. Lass ma‘ feilschen beim Gehalt.“ Oder: „Lasst ihn sich erst mal wo anders beweisen, dann kann er ja immer noch seinem Herzen folgen. Zu uns.“ Und bei den Fans der anderen Vereine habt ihr natürlich nicht gerade ein Stein im Brett, wenn ihr vorher eure Zuneigung für einen Rivalen öffentlich macht. Mit Gefühlen und Fanzugehörigkeiten ist in der türkischen Fußballwelt nicht zu spaßen, was in einem deutschen Interview nur ein einfacher Satz ist, kann in der Türkei viel Stress und Nachteile für euch hervorrufen. Auch Tolgay Arslan wurde die Frage schon einmal gestellt, und hat er sich an unsere Regel gehalten? Hat er nicht. Also machte mitten während des ganzen Theaters um seinen Wechsel ein Video die Runde, in dem er auf die Frage freimütig antwortet: „Bin Fan von Galatasaray!“

26.01.2015: „Milliyet“ sagt: „Der Tolgay-Transfer in 18 Schritten“

Trabzon ist raus, und nach der Erklärung auf der Homepage schildert Vorstandsmitglied Metin Korkmaz in der Milliyet sehr detailreich, warum man vom Transfer absieht. Er erzählt, dass man Arslan mit einem Angebot über 1,1 Millionen Euro jährlich überzeugt habe. Arslan habe wörtlich gesagt: „Ich bin bereit und möchte nach Trabzon kommen.“ Nach der Einigung, die auch schriftlich in Vorverträgen festgehalten wurde, kam es dann zum gemeinsamen Gruppenfoto. Dann verabschiedete man sich voneinander und verabredete sich für den nächsten Morgen zur gemeinsamen Reise nach Trabzon. Als es soweit war, ließ Arslan aber noch auf sich warten, und währenddessen bekam Korkmaz einen Anruf eines Besiktas-Verantwortlichen, der ihn auf das Foto mit Arslan ansprach und erbost sagte: „Wir sind uns mit dem Spieler einig, gehört sich denn so etwas?“ Als Korkmaz ihm entgegnete, dass man den Spieler verpflichtet habe, antwortete der: „Unsinn, er hat erst vor zwei Stunden mit uns im Hotel verhandelt.“ Als Präsident Haciosmanoglu den Grund für Arslans Verspätung mitbekommt, nämlich dass dieser nun erneut mit Besiktas verhandelt, zerreißt er die Vereinbarung an Ort und Stelle und ordnet die sofortige Abreise an.

26.01.2015: Tolgay Arslan sagt: „Mein Herz schlägt nur für Besiktas“

Arslan macht setzt mit einem Facebook-Eintrag den Schlusspunkt, wie es sich für den Verlauf der Geschichte gehört, mit einem Foto inklusive Besiktas-Trikot und Schal. Dabei missachtet er leider erneut die Regel mit dem Verschweigen persönlicher Preferenzen und der nötigen Auseinanderhaltung von Profidasein und Fanliebe, und begründet seine Entscheidung mit, natürlich, dem Herzen. „Ich freue mich, euch berichten zu können, dass ich einen Vertrag bei Besiktas Istanbul unterzeichnet habe“, heißt es dort, und dann: „Letzten Endes konnte ich trotz verlockender Angebote nur auf mein Herz hören, und das schlägt für Besiktas!!!“

27.01.2015: „Milliyet“ sagt: „Schockierende SMS von Bilic: ‚Komm zu uns, und nächstes Jahr…“

Einen Tag nach der offiziellen Einigung zwischen Besiktas und Arslan kommt nochmal Trabzon-Chef Haciosmanoglu zu Wort und erzählt in einem Interview, was alles schief ging:

„Ich habe Tolgays Manager das Hotelzimmer gezahlt.“
„Sein Vater hat mich angerufen und gesagt: ‚Es tut mir leid, Herr Präsident, ich bin gerade auch außen vor.'“
„Der Junge macht sich zuhause für die Abreise fertig, und sein Manager verhandelt weiter mit Besiktas.“
„Ich bin ein aggressiver Mann, ich mache auch Fehler.“
„Slaven Bilic (Besiktas-Trainer) hat Tolgay in einer SMS geschrieben: ‚Komm zu uns, wir werden Meister und dann gehen wir zwei nächstes Jahr zusammen nach England.“

So sieht nun also das vorläufige Ende der Transfersaga aus: Die Entscheidungen sind getroffen, doch die Gefühle spielen noch immer verrückt.

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