Doppelmord nach Platzverweis

Das Schöne am Fußball ist ja, dass er für jeden zugänglich ist, Menschen aller Art. Ein Ball, zwei Tore, mehr braucht man nicht, das macht das Spiel ja auch aus, dieser einfache, universell mögliche Zugang. Die Kehrseite dieser Einfachheit ist, dass eine Sportart, die von hunderten Millionen von Menschen ausgeübt und begleitet wird, immer auch von einem gewissen Prozentsatz an Vollidioten, Gewalttätern oder schlichtweg von menschlichen Monstern ausgeübt und begleitet wird.

Aus Brasilien kommt eine Meldung, die wohl die schrecklichste ist, die ich je im Zusammenhang mit Fußball gehört habe. Sie klingt wie eine Geschichte aus dem Mittelalter, ist aber tagesaktuell. Ich bin auf die Sache durch Berichte auf den Webseiten englischer Tageszeitungen aufmerksam geworden, welche sich auf das brasilianische Medium „Correio24horas“ beziehen.

In Maranhao, einem Staat im Nordosten des Landes, kam es bei einem unterklassigen Spiel zu einer Auseinandersetzung zwischen dem 20-jährigen Schiedsrichter Octavio da Silva Catanhede Jordan und dem zehn Jahre älteren Feldspieler Josenir dos Santos Abreu. Der Unparteiische zeigte dem Spieler die Rote Karte, der weigerte sich aber, das Feld zu verlassen, beschimpfte den Schiedsrichter und schlug auf diesen ein. Der trug ein verdecktes Messer bei sich und stach damit mehrmals auf den Spieler ein.

Daraufhin rannte ein aufgebrachter Mob aus Zuschauern – es soll sich um Bekannte und Verwandte des Niedergestochenen handeln – auf das Feld und rächte sich am Schiedsrichter, indem er ihn fesselte, zu Tode steinigte, ihm die Gliedmaßen abtrennte und ihn dann schließlich köpfte.

Der Spieler, Josenir dos Santos Abreu, verstarb im Krankenhaus. Der Kopf des Schiedsrichters Octavio da Silva Catanhede Jordan wurde auf einen Pfosten gestülpt, der in den Mittelkreis gestoßen wurde. Es klingt alles so unfassbar.

Schon alleine die Beschreibung des Geschehenen sorgt für Gänsehaut. Es kursiert ein Video im Netz, das den verstümmelten Leichnam des Schiedsrichter zeigen soll, ich habe es aber nicht angeschaut und werde es auch nicht tun.

The Future You Never Know

Sommer 2009: die Gerüchte sind nicht neu, doch sie mehren sich stetig – Cristiano Ronaldo soll vor einem Wechsel von Manchester United zu Real Madrid stehen. Es gibt einige Vorzeichen, die dafür sprechen. Es ist bekannt, dass der Spieler seit seiner Kindheit von einem Engagement in Madrid träumt und der Verein bemühte sich in den vergangenen Jahren stets um einen Transfer. Ronaldo hat soeben die Meisterschaft mit Manchester klargemacht und wird auf die anhalten Wechselgerüchte angesprochen. Seine Antwort gerät zunächst ausweichend, und dann doch vielsagend:

„…the future you never know, but I’m really, really happy here.“

Das Ende vom Lied: Einen Monat später wurde der Wechsel zu Real Madrid bekannt.

Sommer 2013: die Gerüchte mehren sich stetig – Cristiano Ronaldo soll einer Rückkehr von Real Madrid zu Manchester United nicht abgeneigt sind. Es gibt einige Vorzeichen, die dafür sprechen. Zu Beginn der vergangenen Saison erklärte der Spieler öffentlich, dass er unglücklich bei Real Madrid sei, und verweigert bisher die Verlängerung seines in zwei Jahren auslaufenden Vertrages. Zudem äußert er sich immer wieder äußerst positiv über seinen Ex-Verein und den englischen Fußball. Ronaldo ist auf Promo-Tour in Singapur und wird dort auf die anhaltenden Gerüchte über eine Rückkehr angesprochen. Seine Antwort gerät gar nicht mal so ausweichend, sondern vielsagend:

„…the future we never know, but I’m really, really happy in the Spanish league at the moment.“

Das Ende vom Lied? Ich sage: spätestens im nächsten Sommer wird der Wechsel zu Manchester United bekannt.

Straßenkampf in Schweden

(Ungeschickt in Sachen technisches Blogmanagement wie ich bin, habe ich gestern doch tatsächlich beim Rumwerkeln die komplette Datenbank überschrieben und damit den gesamten Bloginhalt gelöscht. Zum Glück konnte der Webhoster ein Backup wiederherstellen, doch die letzten zwei Beiträge waren nicht mehr zu retten. Der erste über das Finale des Confed Cups war recht lang, den zweiten habe ich aber noch recht genau in Erinnerung und schreibe ihn einfach nochmal.)

Es ist Fußball-Sommerpause, und jeder muss sehen, wo er bleibt. Fußballer machen Selbstporträts auf einer Yacht für Instagram, Funktionäre verhandeln mit Beratern, Journalisten schreiben über Gomez, Guardiola oder Lewandowski. Was aber tun als gewaltaffiner Fußballanhänger, wenn es keine Spiele, keine Stadionbesuche und damit keinen Raum für Konfliktpotenzial gibt? Ganz einfach, man schlägt sich einfach ohne weiteren Anlass die Köpfe ein.

Im Süden Schwedens kam es auf einer ruhigen Straße und in idyllischer Szenerie zu einem Massenkampf zwischen zwei großen Hooligan-Gruppen. Die eine Gruppe bestand aus Anhängern des schwedischen Zweitligisten Gais Göteburg, die andere war ein Zusammenschluss von dänischen Fans des FC Kopenhagen und schwedischen Anhängern von Helsingborg. Die eine Seite war in schwarz gekleidet, die andere in rot, beide liefen laut schreiend und die Fäuste schwingend aufeinander zu, bis es zum Zusammentreffen in Form von fliegenden Fäusten und Tritten kam.

Das Faustkonzert erscheint in vielerlei Hinsicht verwunderlich. Zum Einen ist da die gesamte äußere Inszenierung, die Hooligans laufen in einer fast stillgelegten Straße eines Orts aufeinander zu, und genau am Ort der Konfrontation ist ein Kameramann postiert, der das Ganze aus so naher Perspektive filmt, als sei man als Zuschauer mittendrin. Wenn mir jemand sagen würde, dass das eine Szene für einen Film ist, würde ich ihm das abnehmen.

Zudem weiß ich zwar nicht, in wieweit es in der Hooligan-Szene verbreitet ist, dass im Vorfeld solcher Kämpfe Regeln ausgemacht werden, aber dieser hier erscheint für Straßenkampfverhältnisse fast schon höflich. Gegner, die am Boden liegen und damit den Angreifenden eigentlich schutzlos ausgeliefert sind, werden nicht mehr weiter attackiert. Generell wird von einem Opfer abgelassen, wenn man erkennt, dass dieser unterlegen ist. Einem Gegner, der harte Schläge einstecken muss und kurz liegenbleibt, wird sogar aufgeholfen. Nach dem Ende des Kampfes, den die zahlenmäßig überlegene Gruppe in Rot recht schnell für sich entscheiden kann, ist zudem zu sehen, dass es zwischen den Kontrahenten zu einem recht unaufgeregt wirkenden Dialog kommt.

Das Motto war, so stelle ich es mir zumindest nach den gesehenen Bildern vor: Wir haben zurzeit eh nicht viel zu tun und zu vermöbeln, also lasst uns doch mal aufeinandergehen, aber immer wenigstens ein bisschen Anstand. Mein Ding wär es ja nicht, aber wer es braucht.